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Der Sinn jeder echten Musik besteht darin, die Musik, die in uns schwingt, die das Leben aber mit seinen Problemen und mit seiner Härte verstummen läßt, wieder zum Klingen zu bringen.
Helder Camara
Aktuell:Die Kritik vom Abschiedskonzert in der Landauer Marienkirche:
Eine Orgel spricht französisch
Grandioses Abschiedskonzert von Rudolf Peter an der Steinmeyer-Orgel in der Landauer Marienkirche
Von Karl Georg Berg
Mit dem dritten und letzten Konzert der Landauer Orgeltage gab Konzertsolist Rudolf Peter zugleich sein Abschiedskonzert in der Marienkirche. Bei Werken der französischen Orgelmusik
des 19. und 20. Jahrhunderts bewies er nicht nur eine innige Kenntnis des Potenzials des herrlichen Instruments, sondern auch eine sagenhafte Gestaltungskunst - und ein kongeniales
Gespür für dieses Repertoire.
Die Steinmeyer-Orgel ist - sinniger Weise gerade auch im deutsch-französischen Grenzraum angesiedelt - ein Instrument zwischen den Welten, das vom Ideal der deutschen romantischen
Orgel und dem der französischen in der Manier Cavaillé-Colls gleichermaßen geprägt ist. Die Orgeln des legendären französischen Orgelbaumeisters mit ihren vielfältigen dynamischen
Möglichkeiten und quasi orchestralen Klangfarben ermöglichen ein sozusagen sinfonisch gedachtes Orgelspiel. In den beiden Chorälen Nr. 2 h-moll und Nr. 3 a-moll von César Franck
belegte Rudolf Peter auf zwingende Weise, was das bedeutet.
Er beschrieb hier jeweils einen großen Spannungsbogen von nie nachlassender Intensität und gleichsam wellenartiger Entfaltung. Er ließ die einzelnen Teile bei aller Unterschiedlichkeit im
Charakter organisch erwachsen und ineinander übergehen.
Peter bewies dabei eine bestechende Kunst des Übergangs mit dem Sinn für dramatisch aufgeladene Pausen - und natürlich für gewaltig sich erhebende dynamische Steigerungen.
Zugleich aber formte er alle Satzteile zu wunderbaren Klangbildern mit weichen, ja samtenen Farben in den lyrischen Teilen und funkelnden Tönen im vollen Tutti der Stimmen.
Der Organist gab den Werken plastisches Profil und erhabene Aura. Das gilt auch für das vor den beiden Chorälen gespielte „Heroische Stück” von César Franck, das er in seinem
kraftvollen Gestus in betont theatralischer Manier sehr effektvoll musizierte. Auch hier überzeugten sowohl die klare und konsequente Formdisposition des Organisten als auch seine
differenzierte Artikulation und Modellierung der Motive.
Begonnen hatte das Konzert in der voll besetzten Marienkirche mit Litanies des 29-jährig im Zweiten Weltkrieg gefallenen Jehan Alain. Schon hier ließ Rudolf Peter die Steinmeyer-Orgel
wie ein großes Sinfonieorchester erklingen und gab den einzelnen Versen individuelle Prägung - und ausgefeilte Kontur. Bei Maurice Duruflés Prélude et Fugue sur le nom d'Alain, einer
ergreifenden Hommage an den Kollegen, zeigte der Organist, wie er mit dem Steinmeyer-Instrument faszinierende Raumklangwirkungen erzeugen kann und eine immense Breite an
musikalischen Stimmungen und Ausdruckswerten hervorzurufen weiß.Die drei Charakterstücke von Eugène Gigout hatten dann im wahrsten Sinn des Wortes jeweils eine eigene Farbe und eine sehr deutlich gezeichnete musikalische Physiognomie. Das
Scherzo war ein heiter-bewegtes Charakterstück auf der Orgel, die Toccata ein schillerndes Spiel von Klangkaskaden - und Absoute (Absolution) eine Beispiel für klingende theologische
Reflexion, die Peter in überaus eindringlicher Weise darlegte. Großer, dankbarer Beifall für Rudolf Peter am Ende eines wahrlich außerordentlichen Orgelkonzerts.
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